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Low-Carb-Diäten im Trend, wirklich Sinnvoll?

Low Carb Diät © spectrumblue - Fotolia.com
Schon wieder eine Diät aus den USA die nach Europa schwappt und die Ernährungswissenschaftler in zwei Lager spaltet. Doch ist Low-Carb wirklich neu oder verstecken sich dahinter bereits bekannte Diäten? Purzeln damit tatsächlich die Pfunde und lässt sich die Diät sinnvoll in den Alltag integrieren? Diese und weitere Fragen werden wir in diesem Artikel genau beleuchten.

Gründe Diät

Bild: Der überwiegende Teil der Deutschen möchte wegen eines zu hohen Gewichts abnehmen. Knapp ein Drittel machen es wegen Diabetes. Bildquelle: Eigene Darstellung.

Was bedeutet Low-Carb?

Die Low-Carb-Diät setzt sich aus den englischen Begriffen Low und Carb zusammen. Übersetzt bedeutet das Ernährungskonzept: „Wenige Kohlenhydrate“. Die Low-Carb-Diät ist jedoch nur ein Überbegriff für eine Reihe von verschiedenen Herangehensweisen zur gezielten Gewichtsabnahme. Am bekanntesten sind die Atkins-, David Kirsch-, Montignac-, Logi-, Strunz- oder South-Beach-Diät.

Interesse Diäten

Bild: Das Interesse an Diäten sinkt seit Jahren sukzessiv. Ob das mit einem möglichen Nichterfolg zusammenhängt ist nicht geklärt. Bildquelle: Eigene Darstellung.

Ein kurzer Einblick in das Regelwerk der beliebtesten Low-Carb-Diäten:

  • Atkins: Die Atkins Diät ist wohl die bekannteste und gleichzeitig extremste Low-Carb-Diät. Das von Dr. Atkins entwickelte Konzept besteht aus vier Phasen. In den ersten zwei Wochen dürfen pro Tag höchstens zwanzig Gramm Kohlenhydrate verzehrt werden. Die zweite Phase ist beendet, wenn nur noch fünf Kilogramm bis zum Idealgewicht fehlen. In dieser Zeit wird die Menge an Kohlenhydraten stufenweise um fünf Gramm erhöht. In der vorletzten Phase wird versucht, das Gewicht über einen längeren Zeitraum zu halten. Pro Woche verliert der Körper einen halben Kilo an Masse. Die Menge an Kohlenhydrate wird täglich um zehn Gramm erhöht. Sobald das Idealgewicht erreicht wurde, beginnt die vierte und letzte Phase im Atkins Diätplan. Hier geht es darum, dauerhaft das Wunschgewicht zu halten.
  • David Kirsch: Die von dem Fitnesstrainer David Kirsch entwickelte Diät besteht aus drei Phasen und einem intensiven Sportprogramm. Der erste Abschnitt verbietet Nahrungsmittel wie Brot, Obst oder Kaffee. Erlaubt sind hingegen Fisch, Proteinshakes, mageres Fleisch und Mandeln. Innerhalb von zwei Wochen wird ein Gewichtsverlust von maximal sieben Kilo anvisiert. In der nächsten Phase darf täglich eines der verbotenen Lebensmittel gegessen werden. Die Periode dauert ebenfalls zwei Wochen und zielt auf einen Gewichtsverlust zwischen zwei und fünf Kilo ab. Während der letzten Phase dürfen jeden Tag zwei verbotene Nahrungsmittel konsumiert werden. Zusätzlich ist pro Woche eine Schummelmahlzeit Wie bei jeder Diät dient der letzte Abschnitt dazu, die abnehmende Person an die neuen Essgewohnheiten dauerhaft zu gewöhnen.
  • Logi: Der Konzept Logi ist eine Abkürzung für Low Glycemic Index und baut auf die Ernährungsempfehlung für übergewichtige Kinder und Jugendliche der Harvard-Universitätskinderklinik auf. Die Verbreitung in Deutschland ist dem Wissenschaftler Dr. Nicolai Worm zu verdanken. Ende 2003 veröffentlichte er sein Buch „LOGI-Methode: Glücklich und schlank“ und verfasste damit einen Bestseller. Der Autor legt viel Wert darauf, dass Logi nicht als Diät sondern konsequente Ernährungsweise verstanden wird. Im Gegensatz zu anderen Methoden lässt Worm neben den Glykämischen Index auch den Insulinspiegel mit einfließen.
  • Montignac: Die Diät wurde nach seinem Schöpfer dem Franzosen Michel Montignac benannt. Der ehemalige Manager aß öfters auswärts und nahm sieben Kilo zu. Nachdem ihm sein Arzt einige Tipps zur gesunden Ernährung gegeben hat, befasste sich Montignac intensiver mit dem Thema und entwickelte schlussendlich die gleichnamige Diät. Der Blutzuckerspiegel spielt in seinem Konzept wie bei allen Low-Carb-Diäten eine zentrale Rolle. Die erste der zwei Phasen zielt auf eine schnelle Gewichtsabnahme ab. Kohlenhydrate werden dabei in Gruppen eingeteilt. Lebensmittel mit einem GI zwischen 35 und 50 werden als gut deklariert und können gegessen, allerdings nicht mit Fett kombiniert werden. Obst war bei der Diät von David Kirsch verboten. Montignac erlaubt Obst, jedoch nur auf leeren Magen. Während des Essens muss sich Zeit genommen werden. Bevor eine Speise eingenommen wird, empfiehlt es sich ein Glas Wasser zu trinken, dadurch setzt das Sättigungsgefühl schneller ein. Eine genaue Zeitangabe für die erste Phase wird nicht angegeben. Wenn das Übergewicht abgebaut ist, kann der zweite Schritt gegangen werden. Diese Phase ist ebenfalls zeitlich nicht begrenzt und sensibilisiert den Anwender dafür, die Ernährung dauerhaft umzustellen. Der Begründer der Diät weist ausdrücklich darauf hin, dass gelegentliche Ausrutscher in Ordnung sind, überwiegend müssen jedoch Nahrungsmittel mit einem niedrigen Glykämischen Index auf dem Speiseplan stehen.
  • Strunz: Beim Namen „Strunz“ werden bei vielen Assoziationen zur legendären Pressekonferenz aus dem Jahre 1998 mit Giovanni Trapattoni geweckt. In seiner Wutrede sagte Trapattoni vor der anwesenden Journaille: „Was erlauben Strunz“ und fiel über die eigenen Bayernspieler her. Die von Dr. Ulrich Strunz entwickelte Diät hat damit natürlich nicht zu tun. Sein Ernährungsprogramm teilt sich in drei Phasen auf. In der ersten Phase wird viel Obst, Gemüse und Salat verzehrt. Hinzukommen Shakes zur Zufuhr von Eiweiß. Parallel zum Ernährungsprogramm wird täglich ein leichtes Sportprogramm absolviert. Dreißig Minuten Nordic Walking dienen als Vorbereitung zum Laufprogramm der zweiten Phase. Abhängig von den eigenen Zielen dauert die zweite Phase zwischen zwei und zehn Wochen. Dr. Strunz hat spezielle Rezepte geschrieben und nach diesen wird in der Phase gekocht. Die nächste Phase zielt darauf ab, den Abnehmenden an das neue Ernährungskonzept langfristig zu binden. Eine Rückfallquote in alte Muster soll damit verhindert werden. Müsste die Diät von Strunz gegenüber den hier behandelten Konzepten abgegrenzt werden, dann wäre die gemüse- und obstlastige Ernährung gepaart mit dem täglichen Kraft- und Ausdauertraining das Alleistellungsmerkmal.
  • South Beach: Die South-Beach-Diät basiert, wie fast alle Low-Carb-Diäten auf den Glykämischen Index. Bei der Strenge der Kohlenhydratzufuhr unterscheidet sich das Konzept von Dr. Arthur Agatston dann aber deutlich von der Atkinson-Diät. Ähnlich wie die anderen Methoden wird die Diät in drei Teilstücke unterteilt. Die ersten beiden Schritte sind dabei die radikalsten. Es darf kein Obst gegessen werden und aus diesem Grund sollte der Abschnitt nicht länger als vierzehn Tage andauern, da sonst ein Vitaminmangel droht. In der letzten Phase geht es wieder darum, dem Übergewichtigen dauerhaft an die neue Lebensweise heranzuführen, sodass er diese verinnerlicht und nicht dem JoJo-Effekt erliegt.

Glykämische Index als Basis für Low-Carb

Ein geringer Blutzuckerspiegel löst im Körper die sogenannten Heißhungerattacken aus. Genau dort setzen Low-Carb-Diäten an. Extrempunkte wie einen zu hohen oder zu niedrigen Blutzuckerspiegel sollen vermieden werden. Um die Wirkung auf den Blutzuckerspiegel durch bestimmte Nahrungsmittel messen zu können, wurde der Glykämische Index, kurz GI in den achtziger Jahren im Rahmen der Diabetes Forschung eingeführt. Wegen des konstanten Blutzuckerspiegels und der niedrigen Insulinausschüttung kann sich der Körper voll und ganz dem Fettabbau widmen.

Professor Hubert Mönnikes ist Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin und definiert den GI in der Apotheken-Umschau wie folgt:

Der Glykämische Index gibt an, wie stark der Blutzucker nach dem Verzehr eines bestimmten zuckerhaltigen, also kohlenhydrathaltigen Nahrungsmittels ansteigt

Die Weltgesundheitsorganisation, kurz WHO empfiehlt schon länger Lebensmittel mit einem niedrigen GI zu verzehren. Demnach sinkt dadurch das Risiko für Diabetes, Herzkrankheiten und Übergewicht.

Es gelten folgende Unterteilungen beim Glykämischen Index:

  • Niedriger Glyx: 0 – 55
  • Mittlerer Glyx: 56 – 75
  • Hoher Glyx: ab 76

Die Folgende Tabelle listet einige Speisen und deren Interpretation des GI auf:

Lebensmittel Glykämischer Index Kohlenhydrate
Ananas Mittel 8.21
Bier Hoch 2.9
Kartoffelpüree Hoch 73
Lachs Niedrig 0
Melone Mittel 5.3
Salzstangen Hoch 75
Weizenmehl Mittel 71

Tabelle: Fisch und speziell Lachs besitzen einen niedrigen GI. Obst, Weizen und Alkohol sollten während der Abnehmphase vom Speiseplan verbannt werden. Quelle: http://jumk.de/glyx/

Low-Carb-Diäten eigenen sich für jeden?

Low-Carb-Diäten sind nicht für Schwangere oder Menschen mit Nierenproblemen geeignet. Für Übergewichtige, die Speisen mit zu vielen Kohlenhydraten zu sich nehmen, ist der Ansatz jedoch interessant.

Markus de Marées, Arzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Trainingswissenschaften und Sportinformatik an der Sporthochschule Köln äußert sich in einem Spiegel-Interview so zur Diät:

Das kann man machen, es ist auch effektiv. Ich habe es selbst ausprobiert und damit Gewicht verloren. Aber Low-Carb ist nicht gut für meine Umgebung.

Der Hinweis auf die Umgebung ist nicht unwichtig, denn wegen des fehlenden Zuckers und der niedrigen Mengen an Kohlenhydraten machen die Low-Carb-Diäten aggressiv. Von einer dauerhaften, bzw. monatelangen Diät hält er nichts und rät sogar davon ab.

Macht eine Low-Carb-Diät Sinn?

Low-Carb-Diäten führen zur Gewichtsabnahme und sind laut verschiedenen Studien auch erfolgreicher als andere Diätmethoden. Ein Vorteil ist die Nahrungsmittelmenge, denn daran müssen die Abnehmwilligen fast nichts ändern. Lediglich was auf den Teller kommt, ist entscheidend. Wegen des niedrigen Vitaminanteils mahnen Mediziner jedoch zur Vorsicht, denn im schlimmsten Fall kann es zu Entgleisungen beim Stoffwechsel kommen. Radikaldiäten wie die von Dr. Atkins sollten gemieden werden. Zusätzlich muss der Fettkonsum in Maßen verlaufen, sonst wirkt es sich negativ auf den Herz-Kreislauf aus.

Diät Erfolge

Bild: Im Jahr 2013 haben mehr als die Hälfte der Deutschen nach einer Diät mindestens einmal einen Jo-Jo-Effekt gehabt. 41 Prozent der Bundesbürger konnten das Gewicht nach der Diät halten. Bildquelle: Eigene Darstellung.

 

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